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Best Practice · Datennutzung

Datenprodukte gestalten

Datenprodukte sind fachlich strukturierte und standardisierte Datenobjekte, die aus einer oder mehreren Datenquellen erzeugt werden. Sie bilden eine verlässliche Grundlage für Visualisierung, Analyse und fachliche Auswertungen.

Datenprodukte entstehen durch die Integration und Harmonisierung von Rohdaten. Dabei werden Daten aus einer oder mehreren Quellen strukturiert aufbereitet, Attribute vereinheitlicht und zeitliche oder räumliche Unterschiede ausgeglichen. Das Ergebnis ist ein konsistenter Datenstand, dessen Inhalt und Herkunft eindeutig nachvollziehbar sind.

Ein Beispiel ist das Datenprodukt „Parkraumbelegung Straßenparken Aalen“: Die Zustände von 70 Sensoren werden zu einem gemeinsamen fachlichen Datenobjekt mit Zeitreihen, Geolokation und Auslastungswerten zusammengeführt. Auf dieser Ebene werden Metadaten, Zuständigkeit und Freigabe auf den gesamten nutzbaren Bestand angewendet.

Datenprodukte enthalten fachliche Messwerte und Zustände. Fachliche Bewertungen, KPI-Berechnungen oder weitergehende analytische Verdichtungen gehören nicht in das Datenprodukt, sondern in nachgelagerte Analyse- und Visualisierungsschritte. Eine definierte zeitliche, räumliche oder sachliche Aggregation kann ein Datenprodukt bilden, solange sie den fachlichen Datenbestand strukturiert und nicht bereits eine anwendungsspezifische Bewertung vorwegnimmt.

Woran ein Datenprodukt erkennbar ist

Zweck

Fachlich abgegrenzt

Der Zweck ist verständlich beschrieben und der Anwendungsbezug eindeutig eingegrenzt.

Herkunft

Quellen nachvollziehbar

Die Herkunft aus einer oder mehreren Datenquellen bleibt eindeutig erkennbar.

Verarbeitung

Transformation definiert

Bereinigung, Harmonisierung, Filterung, Anreicherung und Aggregation sind produktspezifisch ausgewiesen.

Organisation

Datenraum zugeordnet

Das Datenprodukt gehört zu genau einem vorgesehenen Datenraum und dessen Zugriffsgrenze.

Verantwortung

Zuständigkeit geklärt

Die zuständige Stelle für Inhalt, Änderung und Freigabe ist benannt.

Metadaten

Nutzung beschrieben

Aktualität, Beschreibung, Nutzungsrahmen und verfügbare Schnittstellen sind dokumentiert.

Damit wird das Datenprodukt zur zentralen Einheit für nachvollziehbare Herkunft, kontrollierte Bereitstellung und den praktischen Umgang mit Daten innerhalb eines Datenraums. Eine Tabelle, API-Antwort oder Datei ist nicht allein durch ihre technische Existenz ein Datenprodukt. Ebenso ist ein Dashboard eine Nutzung des Datenprodukts und nicht das Produkt selbst.

Drei Verarbeitungsgrade

Quellnah und standardisiert

Basis-Datenprodukt

Stellt Daten bereinigt und vereinheitlicht bereit, bleibt aber eng an der ursprünglichen Datenquelle.

Zusätzlicher Kontext

Erweitertes Datenprodukt

Ergänzt ein Basis-Datenprodukt um Attribute oder Kontextinformationen, beispielsweise aus weiteren Quellen oder Sensorsystemen.

Zeitlich, räumlich oder sachlich

Aggregiertes Datenprodukt

Entsteht durch eine definierte Verdichtung vorhandener Daten und weist diese Transformation ausdrücklich aus.

Die Typisierung dient der groben Einordnung. Die konkrete Ausgestaltung ergibt sich aus den Transformationen des jeweiligen Produkts. Dazu zählen die strukturierte Aufbereitung von Datenpunkten, zeitliche Aggregationen, Filterungen sowie die Anreicherung oder Zusammenführung unterschiedlicher Quellen. Ein Produkt wird deshalb nicht allein durch die Bezeichnung „aggregiert“ oder „erweitert“ nachvollziehbar.

Ein Datenprodukt in vier Schritten festlegen

1 · Nutzung

Fachliche Frage benennen

Zielgruppe, Entscheidung und erwartete Nutzung in einem klaren Satz festhalten.

2 · Vertrag

Inhalt festlegen

Entitäten, Felder, Einheiten, Zeitbezug und Pflichtattribute eindeutig beschreiben.

3 · Herkunft

Erzeugung dokumentieren

Quellen, Transformationen, Qualitätsregeln und Abhängigkeiten nachvollziehbar verbinden.

4 · Nutzung

Zugang freigeben

Datenraum, Schnittstelle, Aktualität und vorgesehene Zugriffsgrenze festlegen und prüfen.

Das Produktprofil

Ein kompaktes Produktprofil verhindert, dass die eigentliche Bedeutung nur im Integrationsflow oder in einem Dashboard verborgen bleibt.

Vorlage

Angaben für ein Datenprodukt

Die Leitfragen sind nach fachlicher Bedeutung gruppiert. Beantworten Sie jede Gruppe gemeinsam mit den Personen, die Quelle, Verarbeitung und spätere Nutzung kennen.

Umfang15 AngabenErgebnisAbgestimmtes Produktprofil
Einordnung

Identität und Zweck

Das Produkt fachlich eindeutig benennen und abgrenzen.

Name
Wie lässt sich das Produkt fachlich eindeutig benennen?
Zweck
Welche konkrete Nutzung unterstützt das Produkt?
Verarbeitungsgrad
Ist es ein Basis-, erweitertes oder aggregiertes Datenprodukt?
Datenraum
In welchem fachlichen und technischen Bereich liegt es?
Datenvertrag

Inhalt und Modell

Struktur, Bedeutung und Verbindlichkeit der Attribute festlegen.

Zielmodell
Nach welchem vereinbarten fachlichen Modell ist der Bestand strukturiert?
Struktur
Welche Entitäten, Felder, Typen, Einheiten und Beziehungen werden bereitgestellt?
Pflichtattribute
Welche Angaben müssen in jeder fachlich gültigen Beobachtung vorhanden sein?
Optionale Attribute
Welche zusätzlichen Kontextinformationen werden mitgeführt, sofern sie verfügbar sind?
Nachvollziehbarkeit

Herkunft und Qualität

Entstehung, Datenstand und gültige Verarbeitung sichtbar machen.

Quellen
Aus welchen Datenquellen oder bestehenden Datenprodukten entsteht es?
Transformation
Welche Bereinigung, Harmonisierung, Anreicherung oder Aggregation wird angewendet?
Aktualität
Wie häufig wird aktualisiert und woran ist der Datenstand erkennbar?
Qualitätsregeln
Wann gilt ein Datensatz als gültig, verspätet oder unvollständig?
Bereitstellung

Zugang und Verantwortung

Nutzung, Freigabe und Pflege des Produkts verbindlich zuordnen.

Zugang
Über welche API, View, Datei oder andere Schnittstelle wird es genutzt?
Freigabe
Für welchen Nutzungskontext und welche Zugriffsgruppe ist es vorgesehen?
Zuständige Stelle
Wer entscheidet über Inhalt, Änderung und Freigabe?

Ausgefülltes Beispiel

Datenproduktpass

Parkraumbelegung Straßenparken Aalen

Die Zustände von 70 Parkplatzsensoren werden zu einem einheitlichen fachlichen Datenbestand mit Zeitbezug und Geolokation zusammengeführt.

TypAggregiertes DatenproduktDatenraumds_parking_managementAktualisierungAlle fünf Minuten
Einordnung

Identität und Zweck

Ein gemeinsamer fachlicher Bestand für Parkraumbelegung.

Name
Parkraumbelegung Straßenparken Aalen
Zweck
Sensorzustände für Visualisierung und fachliche Analyse einheitlich bereitstellen.
Verarbeitungsgrad
Aggregiertes Datenprodukt
Datenraum
ds_parking_management
Datenvertrag

Inhalt und Modell

Stabile Identitäten und einheitliche Parkraumattribute.

Zielmodell
Vereinbartes Modell für Parkraumbelegung mit stabilen IDs und einheitlichen Attributen.
Struktur
Parkbereich, Beobachtungszeitpunkt, Belegungszustand, Kapazität, Geolokation und Datenstatus.
Pflichtattribute
Parkbereich, Beobachtungszeitpunkt und Belegungszustand.
Optionale Attribute
Sensortyp und zusätzliche Qualitätskennzeichen, sofern die Quelle sie liefert.
Nachvollziehbarkeit

Herkunft und Qualität

70 Sensoren werden kontrolliert zu einem Datenstand verbunden.

Quellen
Standardisierte Belegungszustände von 70 Parkplatzsensoren und räumliche Stammdaten.
Transformation
Sensorzustände vereinheitlichen, räumlich zuordnen und zu einem gemeinsamen Datenstand zusammenführen.
Aktualität
Alle fünf Minuten; der Beobachtungszeitpunkt weist den Datenstand aus.
Qualitätsregeln
Datensätze ohne Sensor-ID, Beobachtungszeitpunkt oder gültigen Belegungszustand werden nicht übernommen.
Bereitstellung

Zugang und Verantwortung

Das Produkt wird kontrolliert für Anwendungen freigegeben.

Zugang
Lesender NGSI-LD-Zugang und freigegebene Dashboard-Datenquelle.
Freigabe
Interne Nutzung durch die vorgesehenen Fachanwendungen; eine öffentliche Freigabe wird getrennt geprüft.
Zuständige Stelle
Im Vorhaben benannte Fachstelle für Parkraummanagement.

Das Datenprodukt stellt Messwerte, Zustände, Zeitbezug und räumlichen Kontext bereit. Ein Dashboard darf daraus Diagramme, Vergleiche und Zeiträume ableiten. Fachliche Bewertungen, anwendungsspezifische KPIs und Darstellungsregeln bleiben dabei bewusst außerhalb des Datenprodukts.

Pflichtattribute und optionale Attribute trennen

Pflichtattribute definieren die minimal erforderliche Datenstruktur des Produkts und müssen für jede fachlich gültige Beobachtung vorhanden sein. Fehlen sie, erfüllt der Datensatz den vereinbarten Produktvertrag nicht. Beim Beispiel wären Beobachtungszeitpunkt, Parkbereich und Belegungszustand typische Pflichtattribute.

Optionale Attribute ergänzen kontextuelle Informationen und ermöglichen eine vertiefte Analyse oder fachliche Einordnung. Nicht jede Quelle muss sie liefern können, etwa Sensortyp, zusätzliche Qualitätskennzeichen oder eine Beschreibung des Parkbereichs. Ihre Abwesenheit darf nicht stillschweigend wie der Wert 0 oder false behandelt werden.

Dokumentieren Sie daher für jedes Attribut:

  • fachliche Bedeutung und technischer Name,
  • Datentyp und Einheit,
  • Pflicht oder optional,
  • zulässige Werte beziehungsweise Wertebereiche,
  • Herkunft oder Berechnungsregel und
  • Verhalten bei fehlenden oder ungültigen Werten.

Governance und Nachvollziehbarkeit

Für ein Datenprodukt müssen Herkunft und Verarbeitung nachvollziehbar bleiben. Führen Sie deshalb mindestens:

  • Quellsystem oder Ursprung der Daten,
  • Zeitpunkt der letzten Aktualisierung,
  • verwendetes Zielmodell,
  • wesentliche Transformations- und Harmonisierungsschritte,
  • zuständige Stelle beziehungsweise eine etablierte Produktverantwortung sowie
  • Freigabestatus und Nutzungskontext.

Auf dieser Ebene kann ein Datenprodukt kontrolliert für interne Nutzung, APIs, Dashboards oder Open Data freigegeben werden. Die konkrete Oberfläche oder Visualisierung bleibt eine nachgelagerte Nutzung desselben Produkts.

Quelle

Sensorzustände

Ursprüngliche Meldungen mit Quellkennung und Zeitbezug.

Basisprodukt

Standardisierte Belegung

Einheitliche IDs, Typen und Zeitangaben.

Anreicherung

Parkbereich zuordnen

Stammdaten und räumlicher Kontext ergänzen.

Zusammenführung

Gesamtbild erzeugen

Sensorzustände räumlich und zeitlich zu einem einheitlichen Datenstand verbinden.

Bereitstellung

Produkt freigeben

Datenraum und Schnittstelle kontrolliert zugänglich machen.

Die Dokumentation muss nicht jede technische Node oder SQL-Zeile wiederholen. Sie muss aber erkennen lassen, welche fachlich wirksamen Schritte zwischen Quelle und Produkt liegen und wo deren ausführbare Definition versioniert ist.

Vor der Freigabe prüfen

  • Name und Zweck sind ohne Kenntnis des Projekts verständlich.
  • Datenraum, Zielgruppe und vorgesehener Zugang sind festgelegt.
  • Pflichtattribute, optionale Attribute, Typen und Einheiten sind beschrieben.
  • Quellen und wesentliche Transformationen sind nachvollziehbar.
  • Aktualisierungsrhythmus und sichtbarer Datenstand sind definiert.
  • Ein bekannter Beispieldatensatz lässt sich über den vorgesehenen Zugang prüfen.
  • Nicht vorgesehene Daten und Aktionen bleiben gesperrt.
  • Zuständige Stelle und Änderungsweg sind dokumentiert.
Produktprofil und technische Implementierung gemeinsam ändern

Ändert sich die Bedeutung eines Felds, eine Berechnungsregel oder der Nutzungsrahmen, genügt eine Anpassung des Flows allein nicht. Aktualisieren und prüfen Sie Produktprofil, Datenmodell, ausführbare Transformation und abhängige Schnittstellen gemeinsam.

Referenzen